Fokus statt Müdigkeit: Wie Seminare nachhaltig wirken können

Als Host unseres seminargo Webinars „Fokus statt Müdigkeit“ hat Sandra Weindorfer im Juli ein Thema in den Mittelpunkt gestellt, das viele aus dem Seminaralltag kennen: Nach einigen Stunden sinkt die Aufmerksamkeit, die Energie lässt nachund mit ihr oft auch der Lernerfolg.

Sandra ist Mental Coach und erfahrene Trainerin und beschäftigt sich seit vielen Jahren unter anderem intensiv damit, wie Menschen lernen, was ihre Konzentration beeinflusst und welche Rahmenbedingungen nachhaltiges Lernen fördern.

Im Anschluss an das Webinar erzählte uns Sandra zusammenfassend nocheinmal, warum ein Seminar für sie so viel mehr ist, als die reine Vermittlung von Wissen – und wie Location, Raumgestaltung, Pausen, Gruppendynamik und kleine Erlebnisse dazu beitragen können, dass Teilnehmer fokussiert bleiben und Inhalte nachhaltig mitnehmen.

seminargo Redaktion: Vielen Dank für Deine Zeit, Sandra – und vor allem für das so spannende Webinar! Für unsere LeserInnen, die den Webinar Termin versäumt haben oder sich eine kurze Zusammenfassung zum Thema wünschen – magst Du uns vielleicht verraten: Warum verlieren Teilnehmer während eines Seminars so schnell die Aufmerksamkeit?

Sandra: Selbstverständlich, sehr gerne! :) Tatsächlich ist es so, dass sich unser Gehirn sehr schnell an gleichförmige Reize gewöhnt. Wenn wir also über längere Zeit nur sitzen, zuhören und Präsentationsfolien anschauen, sinkt die Aktivierung. Es fehlen Bewegung, Abwechslung, visuelle und haptische Reize – und oft auch Emotionen. Ich bin überzeugt: Menschen schlafen nicht ein, weil Lernen anstrengend ist, sondern weil Lernen passiv ist. Deshalb braucht es einen guten Rhythmus und unterschiedliche Methoden, die die Teilnehmer immer wieder aktivieren.

seminargo Redaktion: Du sprichst dabei auch oft von Autonomie. Warum ist Selbstbestimmung im Seminar so wichtig?

Sandra: In vielen Seminaren geben wir unbewusst sehr viel vor: Wo sitzen die Teilnehmer? Wann gibt es eine Pause? Wie wird gelernt? Dadurch nehmen wir ihnen ein Stück Selbstbestimmung. Wenn die Autonomie sinkt, sinken oft auch die Motivation und das Engagement. Schon kleine Dinge können helfen – beispielsweise unterschiedliche Sitzmöglichkeiten oder die Möglichkeit, den Platz selbst zu wählen.
Es geht darum, den Teilnehmern das Gefühl zu geben: Ich kann meinen Lernprozess ein Stück weit selbst mitgestalten. Selbstbestimmung kann ein ganz einfacher Hebel für mehr Aufmerksamkeit sein.

seminargo Redaktion: Welche Rolle spielt für Dich bei einem Seminar die Wahl der Location?

Sandra: Eine sehr große! Ein Seminarraum ist für mich nicht einfach nur ein Raum, sondern unser Arbeitsplatz für diesen Tag. Dort, wo man sich wohlfühlt, arbeitet und lernt man auch lieber. Ich entscheide deshalb bewusst, welches Seminar an welchem Ort stattfindet. Auch die Gestaltung des Raumes spielt eine Rolle: unterschiedliche Sitzmöglichkeiten, ein Wechsel der Bestuhlung, Farben oder kleine Rückzugsbereiche können neue Impulse geben.
Und ich bin ein großer Fan von Frischluft. Ein kurzer Spaziergang oder eine Einheit draußen verändert die Wahrnehmung, bringt neue Reize und gibt der Gruppe wieder Energie.

seminargo Redaktion: Was können Hotels noch tun, um ein Seminarerlebnis zu verbessern?

Sandra: Für mich macht vor allem Menschlichkeit einen großen Unterschied. Ein freundliches Grüßen, ein Lächeln oder ein kurzes persönliches Gespräch mit den Mitarbeitern vor Ort kann sehr viel bewirken.
Auch kleine Gesten bleiben hängen: ein frisch gelüfteter Raum, Musik nach der Mittagspause oder ein persönlicher Gruß auf einem Flipchart.
Hotels konkurrieren heute nicht mehr nur mit anderen Hotels, sondern auch mit den modernen Seminarräumen der Unternehmen. Deshalb wird die persönliche Betreuung immer wichtiger.

seminargo Redaktion: Was macht für Dich ein gutes Rahmenprogramm aus?

Sandra: Ein Rahmenprogramm muss nicht spektakulär oder teuer sein. Wichtig ist, dass es zum Thema passt, leicht integrierbar ist und nachhaltig wirkt. Ich habe, wie im Webinar erzählt, beispielsweise spontan mit einer Gruppe eine Kräuterwanderung gemacht. Eine Mitarbeiterin des Hotels war Spezialistin auf diesem Gebiet, hat uns begleitet und ihr Wissen über die Region und die Kräuter geteilt. Das war nur ein kurzer Spaziergang, ließ sich wunderbar mit unserem Seminarthema Kommunikation verbinden.
Auch eine kurze Atemübung oder eine kreative Aktivität können einen solchen Effekt haben. Entscheidend ist der Moment des Erlebens – und was davon langfristig in Erinnerung bleibt.


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